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Graffiti-Sprayer vs Ninja!

Die Kinder von heute kommen auf Ideen. Zu meiner Zeit verkleidete man sich zu Karneval wenigstens noch anständig als Punker. Als erster Rebellionsversuch gegen das konservative Elternhaus. Mit Löchern in der Hose, unten am Bund aufgeschnitten, einer Kette aus bunten Büroklammern und roter Farbe in den Haaren. Und was macht mein Sohn? Verkleidet sich als Graffiti-Sprayer meets Gangsta-Rapper! Das Shirt hat er sich selbst gesprayt. YOLO.
You only live once!
Allen Erziehern/innen und Lehrern/innen wünsche ich, wie in jedem Jahr, für diesen Tag ganz viel Kraft, Ausdauer und Spaß mit den kleinen Wilden (und ganz wenig "Fliegerlied" und "Rotes Pferd"). Ihr schafft das!

Harte Nächte, Sitzbänke und Kampfrichter!

Verbringen andere Eltern auch einen Großteil ihrer Freizeit auf Sportanlagen, Fußballplätzen oder in Schwimmbädern? Fahren andere Eltern an Wochenenden auch kilometerlange Strecken nur um zwei Stunden frierend oder schwitzend am Spielfeldrand zu stehen und begeistert dem Nachwuchs Beifall zu klatschen? Und sind nur die Hobbys meiner Kinder immer so teuer und zeitintensiv oder ist Kindersport im Allgemeinen zu einem Luxusgut geworden?
Am vergangen Wochenende fand der erste große Wettkampf unseres Großen im Wasserspringen statt. In Mainz. Beginn 07:00h. Das sind harte Rahmenbedingungen. Vor allem am Wochenende.
Freitag, 18:00h: Nach der Abfahrt musste ich erschreckend feststellen, dass irgendetwas mit der Synchronisierung von Spotify auf meinem Handy schief gelaufen ist und ich somit volle zwei Stunden den Chipmunks ausgeliefert sein würde. Wenn ich noch einmal Uptown Funk von den Chipmunks hören muss, kann ich für nichts garantieren. Wer denkt sich bloß so was aus?
Freitag, 21:00h: Nach einem nahrhaften Abendessen in einer Autobahnraststätte verbrachten mein Sohn und ich die Nacht in einem weniger exklusiven (dafür sehr günstigen) 2-Sterne Hotel am Rande eines Gewerbegebietes. Die penetrante Leuchtreklame der gegenüberliegenden Diskothek wurde zwar durch einen muffigen Stoffvorhang abgeschwächt, dafür aber akustisch unterstützt von der lauten Lüftung der fensterlosen Badkabine. Das nur 1,40m breite Bett und die extrem dünne Bettdecke fielen da gar nicht weiter auf. Eine Übernachtungserfahrung, die jeder Vater mit seinem Sohn mal gemacht haben sollte.
Samstag, 06:00h: Da ich nicht wusste, was uns am Wettkampfort erwartete, sind wir noch schnell vorher zur nächsten Tankstelle gefahren. Meine Frau hatte uns zwar vorsorglich mit allem Möglichen an Proviant ausgestattet, aber ohne meinen Milchkaffee am Morgen, kann ich mich kaum bewegen, geschweige denn einen aufgeregten Neunjährigen unter Kontrolle halten.
Samstag, 07:10h: Pünktlich zehn Minuten zu spät kamen wir am vereinbarten Parkplatz vor der Schwimmhalle der Mainzer Universität an. Dem Campusgelände war mein Navi einfach nicht gewachsen. Zuerst wurden ein paar Mannschaftsfotos geschossen, Springer stehen dazu standesgemäß in ihren Trainingsanzügen auf dem 1m-Brett. Danach wärmten sich die Sportler erst einmal gründlich auf. Das kann man sich vorstellen wie eine Art Bodengymnastik mit unkontrollierten Kampf- und Dehnelementen. Auch ich habe passend dazu immer mehr Kleidungstücke ausgezogen (fürs nächste Mal weiß ich, dass Jeans und Wollpullover keine angemessene Bekleidung für Wasserspringwettbewerbe abgeben).
Samstag 09:30: Der eigentliche Wettkampf fing an. Jeder Springer zeigte den Kampfrichtern eine bestimmte Anzahl an vorgegebenen Sprüngen vom 1m-Brett. Direkt nach jedem Sprung gab es Punkte von 0-10. Manchmal auch nur 0,5. Das war spannend. Aber nur beim eigenen Kind oder gerade noch so bei Sprüngen aus der eigenen Mannschaft. Ansonsten lässt die Spannungskurve nach dem zehnten Abfaller und vierzehnten Sprung mit halber Schraube etwas nach.
Für alle Sprünge gibt es komplizierte Übersichten und Tabellen mit Schwierigkeitsgraden und Haltungsangaben. Die Trainerin meines Sohnes hatte uns jedoch mit einer tollen Infomappe vorbereitet und in die Feinheiten eingewiesen (im ersten Jahr springen Anfänger hauptsächlich Sprünge aus der Nachwuchstabelle und werden noch nicht so hart bewertet, pädagogisch betrachtet, eine hervorragende Maßnahme).
Samstag, 10:30h: Nach einer guten Stunde war der erste Wettkampf meines Großen jedoch auch schon vorbei. Auf Nachfrage erfahre ich, dass die Sprünge vom 3m-Brett erst am Nachmittag stattfinden (pädagogisch betrachtet, eine weniger hervorragende Maßnahme). 
Samstag, 14:00h: Mittagspause in der Mainzer Innenstadt mit viel Karneval und einem 10-Euro-Ticket fürs Falschparken.
Samstag, 16:00h: Zweiter Wettkampf mit tollen Sprüngen und anschließender Siegerehrung.
Samstag, 21:00h: Wieder zu Hause, völlig erschöpft ins Bett gefallen.
Es hat sich gelohnt und war ein tolles Erlebnis, aber man darf die langen Wartezeiten, harten Sitzbänke und tropischen Klimaverhältnisse in Schwimmhallen nicht unterschätzen.
Ich denke, den nächsten Wettkampf darf gerne mal meine Frau begleiten!

Jahresrückblick in ganzen Zahlen - 4 Skateboards und ein Todesfall

0 Ahnung,
wie wir dieses Jahr mal wieder überstanden haben. Jeder Tag mit Kindern ist ein Abenteuer.

1 Todesfall
Unser Großer: "Jetzt ist die Uroma im Himmel und sieht ihren Mann wieder. Das hat sie sich immer gewünscht."

2 neue Musikinstrumente
Unser Haus-Orchester erweitert sich jedes Jahr. Dass sich irgendwann mal ein Schlagzeug dazugesellt, war klar. Schließlich hatten wir unseren Großen im Frühjahr in ein Musikcamp gesteckt, in dem er schwerpunktmäßig Schlagzeug spielte. Unser Kleiner hat sich dagegen für die Flöte entschieden. Wahrscheinlich um einen Kontrast zu setzen. Seine erste Flötenstunde hat er auch schon hinter sich. Er übt nun fleißig jeden Tag, was er schon gelernt hat. Leider ist das bis jetzt nur ein einziger Ton. Wie sich Klavier oder Schlagzeug in Begleitung eines Flötentons anhören ist schon sehr interessant. Ich bin gespannt, was uns das kommende Jahr noch so alles an musikalischen Höhenpunkten bieten wird.

3 Sätze des Jahres
"Ja, warte!", die Standardantwort unseres Großen folgend auf Aufforderungen oder Anfragen, doch endlich mal bei zu kommen, schneller zu machen oder das iPad aus der Hand zu legen. Nach einem "Ja, warte!" dauert es normalerweise auch nur noch zehn bis fünfzehn Minuten, bis er grummelnd in Fahrt kommt.
"Komm schon!", quasi die Umkehrung und das Gegenargument für alles. Auf alle Verneinungen und Verbote folgt erst einmal ein langgezogenes "Komm schon!".
"Nein, wir gehen jetzt nicht noch einmal sofort Star Wars gucken." "Komm schon!",
"Nein. Du kannst jetzt nicht mehr raus. Schon gar nicht im T-Shirt. Es regnet. Es ist Winter. In einer halben Stunde gibt es Abendessen." "Komm schon!",
"Hör` gefälligst sofort auf mit Klavierspielen. Die anderen schlafen doch noch alle. Und außerdem ist SONNTAG!". "Komm schon!".
Und noch ein Satz unseres Kleinen aus 2015, der irgendwie hängen geblieben ist: "Wer hat eigentlich Gott gemacht?"
 
4 Kinder-Trends aus 2015, die ich nicht vermissen werde
Loom Beads Bands oder wie auch immer diese kleinen Gummi-Mist-Dinger heißen. Überall liegen kleine Gummis rum. Mittlerweile gehe ich großzügig mit dem Staubsauger dagegen vor.
Minions. Irgendwann ist gut. Bananas!
Lego Chima. Wird aber voraussichtlich in diesem Jahr von den Lego Nexo Knights abgelöst.
Slushy Ice Maker. Klobiger Plastikbecher mit Deckel, Strohhalm und knetbaren Außenwänden. Dinge, die die Welt nicht braucht. Lag monatelang ungenutzt in unserem Eisfach und hat Platz verschwendet. Jetzt steht er dekorativ im Keller, neben den Blumenvasen.

5 Meter-Turm
Seit letztem Sommer gehört unser Großer zu den Wasserspringern. Das sind die, die sich rückwärts oder mit einem Handstand vom 5-Meter-Turm stürzen. Seitdem habe ich eine Menge über diesen Sport gelernt (man unterscheidet nämlich zwischen Kunst- und Turmspringern, also federndes Brett oder harter Turm, außerdem benötigen alle Springer ein Shammy, ein extrem wasseraufsaugendes Handtuch, und die Badehosen müssen immer schön kurz und enganliegend sein, was meinem Sohn so vorher auch nicht ganz klar war) und ich verbringe ziemlich viel Zeit im Auto. Mit Warten. Vor dem Schwimmbad. Jede Woche zweimal zum Schwimmbad und wieder zurück, manchmal sogar dreimal. Das sollten andere Eltern berücksichtigen, bevor sie ihren Nachwuchs für diesen Sport begeistern. Die Verletzungsgefahr ist auch nicht zu unterschätzen. Einmal rief die Trainerin mich an und erkundigte sich, ob es meinem Sohn denn schon wieder besser ginge: "Äh, ich bin noch nicht zu Hause. Hat meine Frau ihn denn heute nicht abgeholt?" "Doch, doch. Aber ich wollte nur noch mal nachfragen, wie es ihm geht. Er ist heute vom 3-Meter-Turm gefallen. Leider nicht ins Wasser!"

6 Tage in der Schweiz
Ein alter Freund von mir macht eine Weltreise und stellt seine Wohnung allen Verwandten und Freunden zur freien Verfügung. Holiday-Housekeeping. Tolle Idee. Vor allem, weil er mitten in der Schweiz wohnt. Luzern, Zürich, den Rheinfall in Schaffhausen, die Rigi am Vierwaldstättersee.
Wir haben wirklich viel gesehen in den paar Tagen. In der Schweiz kann man richtig gut Urlaub machen, besonders mit Kindern. Überall sind Berge, Burgen, Seen, Spielplätze und Skaterparks.
Unser erster 2000er!
 
Nur der Verkehr macht einen fertig. Für die 50 km von Luzern nach Zürich sollte man immer gut zwei bis drei Stunden einplanen. Egal zu welcher Tages- und Nachtzeit. Wenn man mit dem Auto in der Schweiz unterwegs ist und privat wohnt, lernt man ganz schnell einige schweizerische Eigenarten kennen. Die Parkzonen beispielsweise. Ich hatte solche Angst davor, dass Auto mal in einer falschen Zone abzustellen, dass ich lieber immer gleich ins nächste Parkhaus gefahren bin. In der Schweiz gibt es nämlich ein tückisches Farbparksystem, welches auch gerne in Kombination mit Parkscheiben Anwendung findet. Wenn ich mich recht erinnere, dann sind weiße Parkzonen für Großgrundbesitzer, grüne für Lastwagenfahrer, blaue für Ausländer, hellblaue für Kurzzeitparker und die dunkelgrünen Zonen nur für Hausfrauen, die ihren Porsche-Cayenne vor dem Migros parkieren. Richtig gelesen, in der Schweiz parkt man sein Auto nicht, sondern man parkiert es. Damit ist eigentlich schon alles gesagt.
Auch interessant ist die kantonabhängige Müllentsorgung. In der Schweiz wird der Hausmüll nicht einfach in eine Mülltonne geworfen, sondern jeder einzelne Müllbeutel muss zuerst mit einer kostenpflichtigen Plakette versehen werden. Danach landet er mit vielen anderen Müllbeuteln in einem Sammelcontainer. Kontrolliert dann eigentlich jemand nachträglich, ob auch wirklich auf allen Müllbeuteln eine gültige Müllentsorgungsplakette angebracht worden ist? In einem Migros (auch so eine Schweizer Besonderheit, die allgegenwärtigen Migros-Supermärkte) habe ich ein ganzes Regal voll mit unterschiedlich gekennzeichneten Müllbeuteln und Plaketten entdeckt.
Man wundert sich, staunt und gerade das macht die Schweiz zu einem ganz besonderen Urlaubsort. Und noch etwas, die Schweiz ist genauso teuer, wie man überall hört und liest. Wenn nicht sogar noch teurer. Den Fehler mit den Kindern in eine Bäckerei zu gehen, macht man nur einmal. Eine Laugenbrezel und ein Brötchen. Acht Euro. Kein Witz. Dafür gab es im Sprüngli in Zürich von einer netten Verkäuferin echte Luxemburgerli zum Probieren. So sind die Schweizer. Normale Lebensmittel kosten ein Vermögen, aber Delikatessen gibt es für Kinder umsonst.

7 (000) Der-hat-aber-und überhaupt-ich-war-zuerst-da-Diskussionen
Unser Kleiner hat nach einer besonders heftigen Auseinandersetzung mit seinem Bruder, meiner Frau und mir einen praktischen Lösungsvorschlag unterbreitet und folgende Skizze dazu angefertigt:
Die Kinder dürfen sich ab sofort nur auf zwei verschiedenen Etagen aufhalten. Immer wenn der eine die Treppe hoch oder runter kommt, muss der andere ebenfalls die Etage wechseln. Eine sehr gute Idee, die aber leider in ihrer Umsetzung schon nach wenigen Minuten scheiterte.

sk8ter boys
Das Jahr der Skateboards und Stunt-Scooter. Ob Penny-, Long-, oder Waveboard. Zu Fuß gehen, kann diese Generation von Kindern anscheinend nicht mehr. Bei allen Spaziergängen und Ausflügen greifen meine Jungs automatisch zu ihren Schutzhelmen. Immerhin.

9 Kinobesuche und 17 gelesene Bücher
Je älter die Kinder werden, desto mehr Zeit gewinnen die Eltern für sich zurück. Merkt man im Alltag zwar nicht, scheint aber doch was dran zu sein. Shotgun Lovesongs von Butler ist nicht ganz neu, aber mein Buch des Jahres. Könnte ich gleich nochmal lesen.

10. Hochzeitstag
und über 1000 aberwitzige Situationen, die nur Kinder herbeiführen können und für die ich meine Familie so sehr liebe. Auf ein Neues, auf 2016!

Vom Weihnachtswahn mit Schulwechsel!

Wie schaffen das andere Familien bloß immer in diese weihnachtliche und besinnliche Stimmung zu kommen? In dieses kuschelige Winterfeeling mit ganz viel Zeit fürs Geschenke aussuchen und einpacken, Kräutertee und Glühwein trinken und Wichtel-Wunschzettel-Aktionen? Wir sind schon froh, wenn wir uns abends mal länger als eine halbe Stunde sehen. Meistens besprechen wir dann auch nur den nächsten Tag. Wer, wann, wo, welches Kind abholen muss, welche Geschenke noch fehlen, welche Tasche nicht vergessen werden darf und in welcher Schublade der Tiefkühltruhe sich das Abendessen befindet.

Neben dem alljährlichen Weihnachtswahn kommt in diesem Jahr erschwerend hinzu, dass unser Großer zum nächsten Schuljahr die Grundschule verlässt (nach drei langatmigen Infonachmittagen mit schlechten Powerpoint-Präsentationen und Begehungen von stickigen Turnhallen und ungemütlichen Aufenthaltsträumen hat sich gezeigt, dass es anscheinend nur noch Spezialschulen mit Themenklassen gibt. Musik-, Sport-, Hochbegabten-, Französisch-bilingual-, rhythmisierte Ganztags-, Jungen-, oder NaWi-Klasse. Wie wäre es denn zur Abwechslung mal mit einer Schulklasse für Mädchen und Jungen mit Schwerpunkt „Bildung“ und den Nebenfächern „Vorbereitung auf das Leben“ und „Steuererklärung leicht gemacht“?).
 
Warum die ganzen Schulbesichtigungen auch schon Ende November sein müssen, das Empfehlungsgespräch zum Schulwechsel jedoch erst im Januar stattfindet und eine Anmeldung daraufhin sogar erst im Februar mit dem Halbjahreszeugnis möglich ist, erschließt sich mir nicht so ganz. Es wäre wohl zu einfach, wenn man die Ausgabe des Halbjahreszeugnisses mit einem kurzen Empfehlungsgespräch begleitet, sich daraufhin ein paar Schulen in der Umgebung anschaut und sein Kind dann irgendwo anmeldet. Ganz nebenbei haben wir auch noch unseren anderen Sohn eingeschult. Die schulärztliche Untersuchung, der Einschulungstest und die eigentliche Anmeldung sind in unserem Terminkalender zwischen all den Weihnachtsfeiern und Schulbesichtigungen gar nicht weiter aufgefallen.
 
Ich nehme mir auch jedes Jahr vor, früher mit den ganzen Erledigungen anzufangen und mache mir ständig irgendwelche Vermerke und Notizen dazu in meinem Handy:
- Adventskalender vorbereiten, zwei, selbstgefüllt, schon wieder Lego und Playmobil?
(in einer Nacht-und-Nebel-Aktion rechtzeitig zum 1. Dezember alles eingetütet und an die Wand gehämmert; Päckchen für den Wichteladventskalender in der Schule gepackt und in den Ranzen gestopft)

- Adventskranz, wie letztes Jahr?
(am Samstagmorgen vor dem 1. Advent auf dem Dachboden ausgekramt und nachmittags noch schnell mit 4 frischen Kerzen bestückt; zwischendurch überall im ganzen Haus großzügig die Weihnachtsdekoration der letzten Jahre verteilt; daraufhin vollkommene Fassungslosigkeit der Kinder darüber, dass das Öffnen des 1. Adventskalendertürchens nicht in unmittelbaren Zusammenhang mit dem 1. Advent steht, sondern in diesem Jahr erst ein paar Tage später ansteht)

- Nikolausfeier, wo? Geschenke?
(drei Nikolausfeiern an zwei Tagen reichen vollkommen; Sätze wie "Der Nikolaus hat ja die gleichen Haare wie der Opa!" lassen mich ernsthaft daran zweifeln, ob unser Kleiner sich nächstes Jahr auch noch so ohne Weiteres hinters Licht führen lässt)

- Weihnachtsgeschenke, viele, große, gleiche Anzahl, kein Lego, kein Playmobil, Musikinstrumente?
(Geschenke werden ständig und überall besorgt; und wenn nicht, dann wenigstens über die gängigen Medien mit allen möglichen Verwandten und Bekannten kommuniziert; ein Weihnachtsgeschenk ist nämlich nur dann supertoll, wenn es in mindestens vierzehn SMS und sieben verschiedenen Whatsapp-Gruppen ausreichend diskutiert worden ist; ganz wichtig in diesem Zusammenhang, NIEMALS ANRUFEN und etwas in zwei Minuten abschließend besprechen, sondern lieber viele kurze, kryptische Nachrichten - Angriff des Morrodrachens OK? -  verschicken und sich dann ordentlich darüber aufregen, dass nicht sofort geantwortet wird, schließlich steht man ja schon zum Bezahlen an der Kasse an)

- Weihnachtsbaum
(den Tannenbaum immer erst dann kaufen, wenn es draußen schön nass und matschig ist und sich die Auswahl auf vier mickrige Bäumchen und eine Drei-Meter-Tanne beschränkt hat)

- Last-Minute-Geschenke, Frau fragen wie viele?
(für Lehrer, Erzieher und sonstiges Betreuungspersonal, nach Möglichkeit selbstgebastelt oder wenigstens mit persönlicher Widmung, auch wenn die Kinder dafür vor dem letzten Schultag bis in die Nacht motzend und jammernd mit der Bastelschere am Esstisch sitzen)
(Brottüten-Sterne, von einer Arbeitskollegin empfohlen, einfach und eindrucksvoll)

Morgen ist es endlich wieder soweit. Wenn die Geschenke erst einmal ausgepackt sind, lässt wenigstens der Stress unter den Kindern nach. Dann beginnt auch für die Eltern der besinnliche Teil.
Frohe Weihnachten und einen guten Start ins neue Jahr.

An jedem verdammten Schultag

„Der ist mir viiiiiiiiiiiiiel zu groß. Ich hasse diesen Pulli. Die Hose ist auch zu lang. Und sie rutscht. Guck hier! Viel zu weit. Wo ist denn mein Gürtel?“ So werde ich neuerdings jeden Morgen im Kinderzimmer von meinem Jüngsten empfangen. Dabei hüpft und strampelt er auch noch die ganze Zeit im Zimmer auf und ab und zieht dabei die Hosen und Pullis noch weiter in die Länge. Er befindet sich anscheinend gerade in der sensiblen Hochwasser-Phase. Hosen müssen super-slimfit sein und werden bis unters Knie hochgekrempelt, Oberteile werden gewaltsam in die Hose gestopft und so lange an den Ärmeln umgeschlagen bis die Ellbogen freiliegen. Passend dazu  kombiniert er die klassischen Herbstfarben ocker, beige und braun, so dass er aussieht wie eine Presswurst, die zu lange im Trockner war. Ich komme ja wunderbar damit klar. Nur die Erzieherin im Kindergarten erschreckt sich jeden Morgen kurz, wenn er in die Gruppe kommt und wirft mir dann fragende Blicke zu.

Im anderen Kinderzimmer geht es nicht ruhiger zu. Im Gegenteil, auch hier werden alle modischen Register gezogen und Unzulänglichkeiten in Schnitt und Passform vehement verbal zum Ausdruck gebracht: „So eine $%&§*# verdammte Hose hier. Guck` dir mal die vielen Schildchen hier an. Das juckt wie verrückt. Und die Unterhose ist auch voll daneben. Wie sehe ich denn damit aus?“ „Äääh, wer sieht dich denn heute in Unterhosen?“ „WIR HABEN DOCH SPOOOOORT UND MÜSSEN UNS UMZIEHEN!“ „Ach so. Ist ja schon gut. Vielleicht sind in der Wäsche noch ein paar gewaschene Unterhosen.“ Montags wird immer ein Riesenhype um die Unterhose gemacht und mittwochs muss ich dann freundlich daran erinnern, die Unterhose für den Rest der Woche auch mal zu wechseln.

Jeden Morgen wecke ich die Kinder um 07:00 Uhr. Bis die Beiden sich jedoch anziehen und bereit für das Frühstück sind, vergeht meistens noch eine ganze Viertelstunde. Und in dieser Zeit ist alles möglich. Von ausgedehnten Kissenschlachten und Zimmer-Zerstörungs-Orgien bis hin zu komatösen Weiterschlaf-Attacken und ausgiebigen Gähn- und Streck-Anfällen. Als Elternteil muss man da sehr flexibel reagieren und Rücksicht auf die besonderen Bedürfnisse der Kinder nehmen. Was zur Zeit gut funktioniert, einfach die volle Beleuchtung anwerfen, Decken wegziehen, Fenster aufreißen und „GUTEN MORGEN, JETZT ABER RAUS AUS DEN FEDERN“ brüllen.

Neu in diesem Schuljahr ist auch, dass der Große morgens einfach nicht aus dem Haus kommt. Das kann man auch nur schwer beschreiben. Man muss es einfach mal erlebt haben. Wenn endlich alle gewaschen, gekämmt und gesättigt sind und sich im Flur zum Abflug versammelt haben, kommt es immer wieder zu einigen unvorhersehbaren Zwischenfällen. Vielleicht sollte ich mal einen Risiko-Managementplan in dieser Hinsicht für verzweifelte Eltern erstellen.

Hier mal die wichtigsten Inhalte:
- die Schuhe stehen die ganze Nacht draußen vor der Tür und sind morgens seltsamerweise innen etwas feucht, andere Schuhe sind jedoch inakzeptabel und mit einem Fön wird in letzter Minute versucht zu retten, was noch zu retten ist
- das Fingerskateboard mit den grünen Drachen auf der Unterseite ist verschwunden, das mit dem roten Schriftzug liegt direkt neben dem Schulranzen, ist aber voll mist-kacke-bescheuert und blöd
- der Schulranzen ist so voll, dass er nicht mehr richtig schließt, die Mappe mit den Themen zur Vorbereitung auf die nächste Klassenarbeit liegt jedoch seit Tagen in der Schule, ganz unten am Boden des Ranzens, völlig zerknittert, liegen die gesammelten Erzeugnisse des Kunstunterrichts der letzten drei Jahre
- der Fahrradhelm liegt im Auto, bei einem Freund, in der Schule oder wie neulich unter der dreckigen Wäsche im Keller
- die Haare sitzen nicht, das Haargel befindet sich nicht da, wo es hingehört, die Not steigert sich ins Unermessliche, da hilft nur noch eine Kappe
- die Kappe ist nicht da, wo sie hingehört, sie liegt im Auto, bei einem Freund, in der Schule oder der kleine Bruder hat sie versteckt usw.

Die Risiken und Möglichkeiten verdreifachen sich übrigens, wenn dann auch noch ein Freund morgens in der Tür steht und sich in die Fingerskateboard-Diskussion mit einbringt. Das Chaos von zwei Neunjährigen auf dem Weg zur Schule, lässt sich in einem Risikoplan nicht mehr ganz konkret abbilden. Die Logik von Kindern folgt anderen Gesetzen. Was ja manchmal auch ganz gut ist. Nur eben nicht morgens um halb acht.